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Peer-Learning

PEER-LEARNING ALS SCHULPROGRAMM

Wir lernen ständig von und mit anderen, bewusst oder unbewusst. Für die meisten Fertigkeiten, die wir in unserer Schul- und Arbeitswelt und unserem Privatleben brauchen, erhalten wir zielführende Informationen und Unterstützung von Freunden, Mitschüler/innen und Kolleg/innen. Besonders für Heranwachsende sind Gleichaltrige oder wenig ältere als soziale Modelle wichtig (in Bezug auf Werte, Identität, Lebensorientierung). Diese „Peers“ befinden sich in ähnlichen Situationen und sprechen dieselbe Sprache, was zu einer erhöhten Identifikation mit dem Gegenüber beiträgt.

Unter „Peer-Learning“ versteht man Formen des kooperativen Lernen, die den Wert der Interaktion sichtbar machen und sich positiv auf die Lernergebnisse auswirken.

Auf Schüler/innenebene

Schüler/innen unterstützen Schüler/innen und übernehmen Verantwortung

Peer-Learning macht aus dem Einfluss, den die Peer-Groups bzw. die Peers auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben, ein pädagogisches Konzept.

John Hattie spricht von beträchtlichem Einfluss von Peers und dass „Peers das Lernen beeinflussen können, z.B. durch Hilfestellung, als Tutoren, durch Freundschaft, durch Feedback oder dadurch, dass sie dafür sorgen, dass die Klasse/die Schule ein Ort ist, zu dem Lernende gerne gehen“.

(J. Hattie [2013]: Lernen sichtbar machen. Seite 126)

Durch den Aufbau unterstützender Beziehungen zwischen den Schüler/innen wird die Aneignung überfachlicher personaler und sozialer Kompetenzen gefördert, deren Vermittlung zu den Kernaufgaben von Schule zählt. Vereinbarungen haben einen besonderen Stellenwert (siehe ÖZEPS-Handreichung „Vereinbarungskultur an Schulen).

„Peer-Learning“ hat im Schulalltag von Kindern und Jugendlichen besondere Bedeutung. Heranwachsende kennen die Probleme, in denen sich Gleichaltrige befinden können und können glaubwürdige Vorbilder sein. Sie haben meisten auch mehr zeitliche Ressourcen als Erwachsene. Sie können daher als Multiplikatoren für soziale Lernprozesse dienen. Die Peers treten für die Interessen ihrer Altersgruppe ein und erfahren, dass ihr Handeln Wirkung hat. Sie übernehmen Verantwortung und erfahren Bestätigung durch Erfolge. Das hilft ihnen, Verletzungen aus der eigenen Sozialisation zu überwinden.

„Peer-Learning“ wirkt über die Gruppe hinaus auf das familiäre und das kommunale Umfeld der Kinder und Jugendlichen.

An vielen Schulen Österreichs werden unterschiedliche Peer-Learning-Modelle. Altersgemäß werden Modelle von Begleit-Peers, Lese-Peers, Pausen-Peers, Buddy-Projekten, … realisiert und weiterentwickelt.

Peer-Mediation ist am anspruchsvollsten. Es bedarf sowohl einer guten Ausbildung der Peer-Mediator/innen als auch der begleitenden Lehrer/innen, der Coaches für Peer-Mediation.

Dafür gibt es einen Leitfaden des bm:ukk.

Einigen Schulen nehmen Peer-Learning in ihre Entwicklungspläne auf, einigen ist es bereits gelungen, Schritte zur Implementierung von Peer-Learning als Teil des Schul-Programms zu setzen.

Lehrer/innen

bilden Lerngemeinschaften für ihre professionelle Weiterentwicklung an Schulen

  • Teamteaching,
  • Klassenlehrer/innenteams,
  • planen und reflektieren ihre Arbeit in einer Klasse,
  • bilden Intervisionsgruppen, …

treffen sich regional

  • organisieren SCHÜLF,
  • nehmen Supervision in Anspruch, …

lernen österreichweit vernetzt

  • auf der ÖZEPS-Sommerakademie
  • in Workshops,…

….

ÖZEPS stellt den organisatorischen Rahmen für Lerngemeinschaften zu Peer-Learning zur Verfügung.

  • ÖZEPS Fachtagung Peer-Learning (11. -13. März 2012)
  • 4 TtT Workshops: Peer-Learning als Schulprogramm (2011-2013)
  • 1. bis 3. Sommerakademie (2011, 2012, 2013)
  • 1. österreichweites, schulartenübergreifendes Vernetzungstreffen, um Lehrerinnen und Lehrern, die sich für „Peer-Learning“ engagieren, Erfahrungsaustausch und Unterstützung zu bieten (3. bis 4. Dezember 2012).

U.a. stellen sich folgende Fragen:

  • Welche Bedeutung hat Peer-Learning als pädagogisches Konzept in den einzelnen Schularten und Bundesländern? Welche Modelle der Umsetzung gibt es?
  • Wie kann für Formen kooperativen Lernens, die den Wert der Interaktion zwischen Schülerinnen und Schülern sichtbar machen, größeres Interesse geweckt werden.
  • Wie kann Peer-Learning auf Lehrer/innenebene zur professionellen Entwicklung von Lehrer/innen beitragen?
  • Was wird gebraucht, was ist Voraussetzung, um Peer-Learning an Schulen als Programm zu implementieren?
  • Woran ist die Qualität von Peer-Learning erkennbar?
  • Welche Ausbildungen werden im Bereich Peer-Learning angeboten?
  • Welche Vernetzungsmöglichkeiten sind gegeben, welche werden benötigt? Welche Möglichkeiten regionalen Erfahrungsaustausches gibt es?

Weitere Vernetzungstreffen und Denkschmieden folgen.

An einer Publikation wird gearbeitet.

Peer-Learning Rap: Von Schüler/innen für Schüler/innen

Am 5. Nov. 2012 veranstaltete ÖZEPS im Bildungshaus Schloss Puchberg einen schulartenübergreifenden Aktionstag zum Thema Peer-Learning. Dies war eine besondere Veranstaltung für engagierte Schüler/innen und deren Lehrer/innen aus oberösterreichischen Schulen, die in unterschiedlichen Peer-Learning-Projekten Erfahrungen gesammelt haben.

In einem der angebotenen Workshops konnten Schüler/innen ihre musikalischen Talente unter Beweis stellen und kreierten zusammen mit dem Musiker VISTA einen Rap rund um die Arbeit in und mit Peers.