Veranstaltungen > 1. ÖZEPS-Bildungsgespräch
introbild

1. ÖZEPS-Bildungsgespräch

Am 28. Juni gab es etwas  sommerlich Neues: das 1. ÖZEPS-Bildungsgespräch zum Thema „Achtsamkeit als (Über)Lebensweg der Bildung“.

ZEIT-Journalist Dr. Ernst Schmiederer, Kabarettist Günther Paal „Gunkl“, Dr. Karlheinz Valtl von der Universität Wien, die Lehramtsstudierende Kerstin Kocer und die Schülerin Katarzyna Godos diskutierten Ansätze eines an Achtsamkeit orientierten Bildungsprozesses. 

 

Achtsamkeit trägt zur besseren Selbstfürsorge und zur Gestaltung positiver Lehr- und Lernbeziehungen bei. Im Dialog können Stärken erkannt werden, die Zusammenarbeit wird auf verschiedenen Ebenen verbessert. Dies wirkt sich auf ein lernförderliches Klassen- und Schulklima aus.

Dazu die Leiterin des ÖZEPS, Mag.a Brigitte Schröder: „Es ist für ein Verständnis der Besonderheiten individueller Lernprozesse wichtig, alle an Bildungsprozessen Beteiligten wahrzunehmen, zu hören. Die Erfahrungen und die Potentiale von SchülerInnen sind für Lehrpersonen eine Ressource, um sie erfolgreich fördern zu können. Wir schenken sowohl Aussagen von SchülerInnen als auch Aussagen von BildungsexpertInnen Aufmerksamkeit.“

Das Leben in Zeiten der Achtsamkeitskrise

Der Zeit-Journalist Dr. Ernst Schmiederer und Initiator des Projekts „Wir. Berichte aus dem neuen Österreich“ betont die Relevanz der Debatte mit einem bemerkenswerten Vergleich: „Wir sprechen von einer Finanzkrise. Von einer Krise der Ökologie, einer Krise der Ökonomie, ja einer Krise der Demokratie. Wenn wir genau beobachten, ist es allerdings eine Achtsamkeitskrise. Wir sind nicht achtsam, nicht mit der Umwelt, nicht mit der Gesellschaft und schon gar nicht mit uns selbst.“

Auch Günther Paal, besser bekannt als Kabarettist „Gunkl“, kann sich dem anschließen. Er hat die Einladung zum Podiumsgespräch wahrgenommen, weil er schon seit langem bemerkt, dass „Beobachten und Reflektieren immer weniger wird, die Leut‘ arbeiten gegeneinander statt miteinander. Der Mensch ist des Menschen Wolf geworden. Wenn es nicht mehr darum geht, gut zu sein, sondern nur mehr darum, besser als der andere, dann läuft etwas schief.“

Miteinander- statt Gegeneinander-Lernen

Die Schülerin Katarzyna Godos berichtet selbstbewusst von einem positiven Konzept, das an ihrer Schule bereits seit einigen Jahren große Erfolge verzeichnet: Peer Learning. Das bedeutet, dass SchülerInnen bewusst von- und miteinander, auch außerhalb des Unterrichts und in hohem Maß selbstorganisiert lernen und einander respektvoll begegnen. Was Katarzyna sich von der Schule und für erfolgreiches Lernen wünscht, ist ein respektvolles Miteinander, Kommunikation auf Augenhöhe und ein kritisches Hinterfragen von Behauptungen. Positiv erwähnt sie LehrerInnen, die Peer-Learning begleiten, in der Rolle von Coaches.

Katarzyna fasst wortgewandt zusammen: „Weil Menschen auf so unterschiedliche Arten lernen, muss es auch in der Schule verschiedene Lernangebote, Lernzeiten und Lernkontexte geben.

Durch Peer- Learning kann achtsamer Umgang miteinander geübt und gelebt werden. Das wirkt sich positiv auf das Lernklima und die Leistungen von uns SchülerInnen aus.“

Dr. Karlheinz Valtl kann diese Beobachtung wissenschaftlich bestätigen. Er unterrichtet am Institut für LehrerInnenbildung der Universität Wien und berichtet über wissenschaftliche Studien, welche die positiven Auswirkungen von Achtsamkeitspraktiken im Alltag und in der Schule belegen.

Die Lehramtstudentin Kerstin Kocer meint, dass es unerlässlich ist, dem sozialen Lernen einen höheren Stellenwert in der LehrerInnenbildung zukommen zu lassen. Selbst- und Sozialkompetenz brauchen die künftigen PädagogInnen in der Ausbildung.

Vom Reden zum Handeln 

Drei der Diskutierenden, Dr. Ernst Schmiederer, Günther Paal (Gunkl) und Katarzyna Godos, sind auch Mitwirkende der 6. ÖZEPS-Sommerakademie am Grundlsee (29. August bis 2. September 2016). 

Sowohl die ÖZEPS-Bildungsgespräche (nächster Termin im Herbst 2016) als auch die ÖZEPS-Sommerakademie stellen das Thema „Soziales Lernen und Persönlichkeitsbildung“ in den Mittelpunkt. LehrerInnen aller Schularten, Lehrbeauftragte an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten und SchülerInnen und Studierende arbeiten in Workshops zusammen und unterstützen einander in Peer-Gruppen bei der Übertragung in die jeweilige Praxis.

Thema der Sommerakademie: „Achtsamkeit in Bildungsprozessen. Wie pädagogisches Theater Lernen unterstützt und zur Persönlichkeitsstärkung beiträgt.“

Das Ziel von ÖZEPS ist, mit Tagungen, Lehrgängen, Denkschmieden, Pilotprojekten und Publikationen an der Umsetzung des Auftrags an das Bundeszentrum zu arbeiten: Die Arbeit an Fachkompetenzen muss mit der Weiterentwicklung überfachlicher Kompetenzen verknüpft werden. Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen sollen in allen Bildungseinrichtungen als zentrale Bildungsziele verankert werden.

Anmeldungen für die Sommerakademie sind noch bis Anfang August möglich. Mehr Informationen unter: www.oezeps.at